Liebe Freunde und Mitstreiter. Was ich Euch gerne im Auftrag unseres inzwischen gewachsenen Teams und stellvertretend für unsere „Schützlinge“, Klienten, Freunde und Leidensgenossen hier in Stuttgart berichten kann, ist recht zwiespältig. Dennoch möchte ich unsere Entwicklung als überwiegend positiv bezeichnen, denn wir sind nach wie vor auf einem sehr guten Weg.
Unsere Verbindungen zu unseren kommunalen Helfern und Unterstützern haben sich sehr gefestigt und uns wird in unserer Arbeit viel Vertrauen zuteil.
So ist es uns gelungen (endlich), nach langer und schwieriger Vorarbeit aus unserer Initiative inzwischen einen gemeinnützigen Verein zu machen der zwar noch immer recht klein ist, aber doch inzwischen durch eine zugenommene Mitgliederschaft mehr Handlungsfähigkeit und somit auch -freiheit dazu gewonnen hat.
Noch wissen wir nicht so recht mit den Pflichten und Freiheiten richtig umzugehen, aber wir haben große Pläne für die Zukunft und hoffen weiterhin als Vorbilder für unsere Klientel voranschreiten zu können. Anderen jetzt noch mehr Mut machen zu können, sich bei uns mit zu engagieren und an neuen Perspektiven mitzuarbeiten.
Inzwischen ist es uns auch gelungen mit den Ärzten in einen offeneren Dialog zu treten mit dem Ziel hier das doch sehr „zerrüttete“ Verhältnis wieder auf einen neuen Weg des gegenseitigen Verstehens zu bringen. Auch mit dem Bezirksrat haben wir bereits eine Termin gehabt, in dem wir - leider nur kurz – die Dinge aus unserer Sicht beschreiben konnten. Im Oktober werden wir dann dem Stadtrat einen ausführlichen Bericht und eine umfassende Darstellung zur Lage und Problematik speziell der Situation innerhalb der Substitution, der Verbesserung der hier noch stark defizitären und rückständigen, bzw. rückläufigen Entwicklungen abgeben können.
Denn die zunehmend regressiven Kontrollmaßnahmen und Auflagen lassen befürchten, dass mit den damit zu erwartenden Entwicklungen eher das Gegenteil von dem erreicht werden wird, was man sich davon erhofft. Hier können wir hoffentlich vermittelnd und konstruktiv zum Wohle Aller eingreifen. Inzwischen hört man uns nämlich recht gut zu und nimmt uns und unsere Arbeit sehr ernst.
Darauf sind wir sehr stolz.
In der kommenden Woche stehen Gespräche mit der hiesigen Caritas an, die die Etablierung eines ersten Arbeitsplatzes beinhalten, der außerhalb der „Ein-€- Zone“ liegen soll. Auch hier sind wir recht zuversichtlich, dass es eine Einigung und einen weiteren Schritt nach Vorne geben wird
.Auch von Seiten unserer Klientel erfahren wir zunehmendes Vertrauen in unsere Arbeit und wir sind auch hier inzwischen als recht gleichwertig zu den bereits bestehenden Einrichtungen der Stadt und den Drogenberatungen, etc. anerkannt. Umgekehrt funktioniert hier die Zusammenarbeit auch immer flüssiger und der Austausch und der gegenseitige Respekt ist wirklich großartig.
Trotz all dem ist und bleibt es weiterhin ein harter Weg und jeder Erfolg muß erarbeitet werden.
Wir haben aber auch neue Freunde und auch weitere Aufgaben hinzugewonnen. So ist mit Roland Baisch, einem bekannten Schauspieler und Musiker ein guter Freund zu uns gekommen, der uns sehr in unserer Arbeit hilft. Wir gestalten auch gemeinsam ein Projekt mit, welches im Rahmen der sog. Vesperkirche zur Bildung eines Chores geführt hat, der inzwischen bereits recht bekannt ist. Wir haben auch einen amerkanischen Freund dazugewonnen, der über seine Kontakte im Ausland unsere Botschaft weitervermittelt und Informationen mit zu uns bringt. Hinzu kommt noch, dass wir auch gelegentlich Vorträge an Schulen halten. Derzeit zum Thema HIV und AIDS.
Unlängst hatten wir sogar eine erfahrene Pädagogin zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, die sich für unsere Arbeit im Bereich Streetwork interessierte und Suchtproblematik im Allgemeinen. Leider konnten wir ihren Wunsch nach einer Festeinstellung mit Gehalt nicht entsprechen. (Noch nicht....)
Leider mangelt es uns aber immer noch seitens unserer Leidensgenossen an echten Mitgliedern, die auch die Ausdauer und Zuverlässigkeit mitbringen wollen, um dauerhaft dabei zu bleiben. Aber auch hier sind wir zuversichtlich, dass sich dies noch ändern wird.
Liebe Freunde, wir werden Euch nach dem Drogentotengedenktag erneut von unseren Erfahrungen berichten.
I.A.
M. Auer
(Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender)